Stroh: Einfaches Futtermittel oder blosse Einstreu?

Im Getreideanbau gilt Stroh als Nebenprodukt. Stroh hat aber in den letzten Jahren an Bedeutung zu genommen, weil es knapper geworden ist und häufiger als Einstreumaterial verwendet wird. Mit den heutigen Vorstellungen einer modernen Tierhaltung ist es auch als Beschäftigungsmaterial unentbehrlich.

Eingesetzt im Kaninchenstall ist es vorweg das wichtigste Gestaltungselement eines Abteils. Richtig wohl fühlen sich die Tiere, wenn nach dem Säubern so frisch eingestreut ist und sie sofort beginnen, die Halme zu knabbern, einen Haufen zusammen zu schieben oder sich darin zu verstecken.

Spielmateriel, Ernährungskomponente, Einstreu-oder Saugelement, Isolation …! Als was setzen die Züchter das Stroh in der Kaninchenhaltung ein?

Ist der Nährwert von Stroh vernachlässigbar?

Das Getreide ist eine Zuchtform von Süssgräsern. Was vor bald 10 000 Jahren begonnen hat, ist auch heute noch eine Herausforderung für viele Pflanzenzüchter. Standen früher die Erträge im Vordergrund, so sind es heute Zuchten, die den vielen Krankheiten widerstehen und trotzdem wirtschaftlich sein können.

Beim Dreschen auf dem Feld fallen ausser dem wertvollen Korn auch Stroh und Spelzen an. Während die Spelzen und Grannen auf den Acker zurückfallen, wird das Stroh weiter verwendet. Stroh als Heuersatz ist in der Tierhaltung sehr gut vorstellbar, aber auch gemahlenes Stroh direkt ins Futter eingemischt ist denkbar.

Seiner Herkunft entsprechend glaubt jeder, dass die Nährwerte des Strohs mit denen des heutigen Dürrfutters vergleichbar seien. Doch weit gefehlt! Bei der Energie liegt der Wert etwa 40 Prozent tiefer und beim Protein weist Stroh gegenüber einem kräuterreichen Heu nur etwa einen Drittel auf. Bei der Rohfaser liegt Stroh vorne mit einem Plus von 70 Prozent. Der Mineralstoffgehalt von Stroh ist bescheiden.  

Der hohe Rohfasergehalte ist aber keineswegs verwerflich, denn diese sind für den Verdauungsprozess absolut notwendig und sorgen für eine optimale Fortbewegung des Nahrungsbreies im Verdauungssystem.

Einstreu-Untereschiede beim Stroh
Je nach Sorte und Witterungsverhältnisse zeigen sich farbliche Unterschiede beim Stroh

Nährwertvergleich von Heu und einigen Stroharten

Futterwerttabelle: Vergleich Heu mit verschiedenen Stroharten
Gehalt je kg Trockensubstanz

  Energie Megajoule Roheiweiss g Rohfaser g Kalzium g Phosphor g
Heu (=kräuter- reich) als Re-ferenzwert 4.8 113 258 15.5 3.6
Gerste 3.4 33 445 4.8 0.8
Hafer 3.5 32 440 4.1 1.4
Weizen 3.2 35 430 3.3 0.9

Es gibt Züchter, die sehr stark von Erbsenstroh schwärmen. Sie geben alles, damit sie nach der Ernte diese wertvollen Stauden den Tieren im Winter vorsetzen können. Erbsenstroh weist einen doppelt so hohen Eiweissgehalt wie Gerstenstroh auf und ist auch bezüglich Kalziumgehalt einsame Spitze. Nur wird es schwierig sein, diese Komponente zu kaufen, ausser sie stamme aus dem eigenen Garten.

Einfacher ist Stroh direkt vom Produzenten – dem Getreidebauer – zu erhalten. Hier ist schnell einmal die Qualität zu überprüfen. Wenn der Anbieter gar den Verwendungszweck kennt, achtet er noch mehr auf besonders gute Kleinballen, denn auch er weiss, dass nur gut getrocknetes Stroh in den Fütterungskanal gelangen darf. Der Preis, der für 100 Kilogramm Stroh bei 20 bis 25 Franken (ca. 15 Euro) liegt, ist kaum vergleichbar mit Angeboten aus Petshops, die pro Kilogramm gegen vier Franken (fast vier Euro) verlangen.

Stroh ist ein gutes Einstreumaterial, an dem die Kaninchen gerne knabbern. Wir zeigen dir beim Eintrag für den Newsletter , welchen Stellenwert Stroh für deine Kaninchen hat!

Wird das Stroh gut gelagert, riecht es nicht muffig. Auch soll geprüft werden, ob Käfer oder Milben enthalten sind. Die kräftig gelbe Farbe bestätigt dem Käufer, dass das Stroh unter guten Witterungsverhältnissen geerntet werden konnte. Ist das Stroh mit einer Plastikfolie verpackt worden, müsste darauf geachtet werden, dass ein Luftaustausch immer möglich ist.

Nur gesundes Stroh verwenden!

Stroh als Einstreumaterial wird in der Nutztierhaltung sehr geschätzt; die Labelprogramme schreiben beispielsweise zwingend den Einsatz im Schweinestall vor. Doch ist Stroh wegen der möglichen Mykotoxinbelastung (Schimmelpilzgifte) auch eine ernst zu nehmende Gefahr für die Gesundheit aller Haustiere. Es gilt deshalb zwingend, Stroh für Kaninchen muss mykotoxinfrei sein, denn es kann kein Unterschied zwischen Stroh als Einstreu und Stroh als Beschäftigungsmaterial gemacht werden. Kaninchen fressen und zerkleinern sehr gerne die Strohhalme.

Die belastenden Toxine können unterschiedlicher Herkunft sein: Einerseits entstehen sie bereits auf dem Getreidefeld auf den Halmen oder/und andererseits treten sie als Lagerpilze nach der Getreideernte auf.

Grundsätzlich ist Gerstenstroh weniger belastet als Weizenstroh. Auch werden die Landwirte aufgerufen, nur einwandfreies, trockenes Stroh zu Ballen zu pressen, um die Qualitätsanforderungen aller Tierhalter zu erfüllen. Die Gersten- und Roggenhalme sollen auch „weicher“ sein im Vergleich mit Weizenstroh.

Zuchtfähige Zibben fühlen sich wohl im Stroh
Meist werden die Halme zerkleinert im frisch eingestreuten Stroh. Als Futtermittel enthält Stroh nur wenig Nährstoffe.

Mit Schimmel befallenes Stroh ist nirgends in der Kaninchenhaltungen einzusetzen und gehört sofort auf den Misthaufen.

Stroh als Einstreu

Jeder Züchter macht sich darüber Gedanken, wie er seine Tiere am besten sauber hält. Es gibt verschiedene Beurteilungspunkte. So spielen einerseits die Rassen, andererseits das Alter der Tiere eine Rolle. Angorakaninchen sind dies bezüglich besonders zu erwähnen. Jeder, der schon Einstreumaterial aus dem Fell zupfte, weiss um die Sorgfaltspflicht seiner Tiere und probiert vielleicht eine andere Methode sprich längeres Stroh aus. Jungtiere hingegen fühlen sich ganz wohl im Stroh-Nest; auch wird während der Säugeperiode von Mutter und Jungtieren nur wenig davon verzehrt.

Nicht aufgeschlossenes Stroh hat nicht die gewünschte Saugkraft, um Flüssigkeiten (Urin) aufzunehmen. Durch eine mechanische Verarbeitung aber lässt sich diese bedeutend verbessern. Häckselstroh ist diesbezüglich sicher besser als lang gepresste Strohhalme. Noch besser bezüglich Saugkraft sind fein zerkleinerte Komponenten (Holz, Stroh), die aber wegen des Staubes immer auch eine Belastung für die Atemwege der Tiere sein können.

Der Isoliereffekt des Strohs muss an dieser Stelle auch erwähnt werden. Nicht nur in den Kotschubladen leistet genügend Stroh einen Wärmeschutz nach unten; die Tiere liegen auch gerne auf einer dicken Einstreuunterlage. Daselbst gibt es zu erwähnen, dass Kleintierstallungen innen sehr gut mit Strohballen eingekleidet werden können. Doch aufgepasst, die Strohballen dürfen niemals nass oder feucht werden, will der Züchter sie später wieder verwenden.

Als Unterlage für das aufgelegte Stroh kann dieses Produkte empfohlen werden:

Mist, der viel Stroh enthält, bildet – im Garten gelagert – später nach der Verrottungszeit einen natürlichen Dünger, der als organischer Kohlenstofflieferant sehr wertvoll ist.

Welches Material wählen tragende Zibben?

In einem Versuch mit zwei Wiederholungen wurden 30 Zibben (Erstlingswürfe) 10 Tage vor der Geburt vor die Wahl gestellt, aus einem doppelt gestalteten Käfig jenen auszuwählen, der den Häsinnen besser behagte. Das eine Nest wurde mit 8 cm langen Holzspänen (=natürlich) ausgestattet, das andere Nest mit 8 cm langem Gerstenstroh. 24 Stunden vor der Geburt wurde die Nestkonformität (Haare, ursprüngliches Nestmaterial) sowie die Wahl des Nistkasten beurteilt:
Im ersten Versuch wählten 87 Prozent der Häsinnen den Stroh-Nistkasten; im zweiten sogar 93 Prozent. Fünf Prozent der Zibben entfernten das Material (Holzspäne und Stroh) und machten ihr Nest nur mit dem eigenen Haar.
Bei den Würfen auf Stroh konnte eine grössere Anzahl Jungtiere abgesetzt werden.

Empfohlen für den Transport von Heu, Gras und Stroh:

Please follow and like us:

  • Stroh 3 (2): Heinz Schmid
  • Zibben im Stroh: Heinz Schmid
  • Junge verstecken sich im Stroh: Heinz Schmid

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Infos zu Pflanzen und Tieren
Mehr zu Pflanzen und Tieren
mehr zur Selbstversorung