Mehr Licht für besseres Wohlbefinden!Interessanterweise brauchen wir immer mehr Energie für Licht. Wird Licht noch kostengünstiger, wird das Ausmass an Beleuchtung noch mehr zunehmen. Auch in der Tierhaltung?

Licht ist wichtig für alle Säugetiere wie auch für den Menschen. Verschiedene Stoffwechselfunktionen des Kaninchens sind auf Licht zurückzuführen so unter anderem das Vitamin D, das sie selbst in der Gegenwart von ungefiltertem Sonnenlicht herstellen können.
Noch mehr interessiert uns aber der Einfluss des Sonnenlichts auf die Fruchtbarkeit. Hier sind durch mehr Licht auch bessere tierische Leistungen zu erwarten.

Gesetzgebung im Umgang mit Licht gilt auch für Kaninchenzüchter

Das Tierschutzgesetz schreibt minimales, natürliches Tageslicht von 15 Lux vor (1 Lux entspricht der Lichtintensität einer brennenden Kerze in einem Meter Entfernung); bei einer solchen Helligkeit sollte ein Züchter noch in der Lage sein, die Tageszeitung zu lesen. Noch besser ist es, verschiedene Lichtintensitäten im Stall zu haben, damit die Tiere ihren bevorzugten Aufenthaltsort jeweils selbst wählen können.

Tageslicht ist auf jeden Fall einer künstlichen Lichtquelle vorzuziehen. So ist bekannt, dass Ultraviolett-Strahlung Krankheitskeime abtöten kann. Allerdings ist zu bemerken, dass nicht das ganze Spektrum der Ultravioletten-Strahlung durch das Fensterglas dringen kann d.h. am besten sind die Lichteinlässe über ein Gitter anstelle eines Fenster zu gewähren, damit die ungebetenen Gäste wie Vögel, Marder und Katzen von den Kaninchen ferngehalten werden können. 

Kaninchen sind dämmerungsaktive Tiere; während des Tages sind sie eher auf Ruhen ausgerichtet. Dementsprechend ist ihr Sehsinn verhältnismässig empfindlich und trotzdem brauchen sie Tageslicht, um sich wohl zu fühlen und sich gut entwickeln zu können.      

Lichteinfluss fördert die Leistung

Die Nacht zum Tag machen
Mehr Licht im Kaninchenstall bringt auch bessere Wurfergebnisse

Eine interessante Ueberlegung stellte Meike Schüddemage aus Deutschland bei ihrer Arbeit zum Lichteinfluss bei Zibben und Rammlern sowie der Fruchtbarkeit bei verschiedenen Lichtverhältnissen zusammen. Dabei stellte sie die Ergebnisse aus Naturlicht sowie einem 8-stündigen und 16-stündigen Lichtprogramm zusammen und kam zu folgendem Schluss:

  • Die Konzeptionsrate (= Verhältnis der Anzahl Trächtigkeiten zu Besamungen oder Sprünge der Rammler) konnte mit Kunstlicht nur gering gesteigert werden.
  • Mit einem Kunstlicht von 16 Stunden konnte die höchste Anzahl der gesamt geborenen Jungtieren im Vergleich zu Kunstlicht mit acht Stunden erzielt werden; auch wurden am meisten Jungtiere unter dem Einfluss von 16-stündigem Kunstlicht abgesetzt.
  • Die durchschnittliche Saughäufigkeit lag bei 16 Stunden-Kunstlichtprogramm bei 1.14 Saugakten und bei 8 Stunden-Kunstlichtprogramm bei 1.41 Saugakten.
  • In diesem Bericht wurde auch festgehalten, dass die Saugaktivität der Kaninchen einem speziellen Rhythmus folgt und der Lichtwechsel von hell nach dunkel den Impuls für das Säugen gibt. So fanden bei 16-stündigen Kunstlichtprogramm 28.1 Prozent aller Saugakte in der ersten Stunde nach dem Ausschalten des Lichtes statt. Die Ergebnisse zeigten auch, dass das Säugen der Jungtiere mehrheitlich in der Dunkelphase stattfindet.

Der Einfluss des Lichtes beeinflusst auch die Entwicklung der Geschlechts-aktivität; die Zunahme der Tageslichtlänge im Frühjahr bewirkte bei den Rammlern einen Anstieg der Sprungaktivität.

Beeinflusst der saisonale Einfluss (Temperatur und Luftfeuchtigkeit) die Fruchtbarkeitsparameter?

Ueber einen Zeitraum von fast zwei Jahre wurde bei einer Gruppe von Kaninchen bei konstanten Bedingungen und 14 Stunden Lichtdauer die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur gemessen, um herauszufinden, ob diese Faktoren einen Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben.
Die Deckbereitschaft zeigte über beide Testjahre einen saisonalen Verlauf. Hohe Werte wurden im Februar mit 97.2 Prozent erreicht und mit tiefen Werten im September. Die höchsten Konzeptionsraten wurden ebenfalls in den Frühlingsmonaten März und April erreicht. Für die Wurfgrössen und Verlustraten liessen sich wederstallklimatischen Einflüsse noch eine saisonale Abhängigkeit feststellen. Hingegen zeigten Einzeltier- und Wurfgewichte (standardisiert auf eine mittlere Wurfgrösse von sieben Stück) deutlich bessere Werte in der zweiten Jahreshälfte.
Bei diesen Untersuchungen zeigt nur die Konzeptionsrate eine deutliche Abhängigkeit von der Stalltemperatur; Deckbereitschaft sowie Einzeltier- und Wurfgewichte zeigten einen saisonalen Verlauf.  

Karl Weissenberger schreibt in seinem Buch „Fortpflanzung und Zuchtverfahren in der Kaninchenzucht“, dass sich jeder Züchter im Winter überlegen müsste, wie er bessere Lichtverhältnisse in den meist dunklen Ställen herbeiführen kann. Es ist von Vorteil, die kurzen Wintertage durch ausreichende Beleuchtung zu verlängern; er empfiehlt den Tag auf 14 Stunden auszudehnen.

Aber Achtung Licht ist nicht gleich Licht. Da unser Wechselstrom eine Frequenz von 50 Hz aufweist, flackert unser Licht mit einer Frequenz von 50 Hz pro Sekunde. Wir nehmen dieses Flackern nicht wahr, müssen aber zugestehen, dass Kaninchen eine viel bessere Wahrnehmung haben und das Licht als flimmernd empfinden. Bei der Installation sollte deshalb auf Gleichstrom-Lampen geachtet werden. Mit einer sinnvollen Lampenleistung und mit Hilfe einer Zeitschaltuhr sind die Lichtverhältnisse im Kaninchenstall leicht zu verbessern.

 

Kein Futter ohne Licht

Weit mehr als die Tiere sind die Pflanzen auf genügend Licht angewiesen. Sie brauchen das Licht, Sauerstoff zu produzieren, das die Voraussetzung ist, um die für ihr Wachstum benötigte Nährstoffe überhaupt aufbauen zu können. Diese Aktivität wird als Photosynthese bezeichnet und wird den pflanzlichen Zellen mit Chlorophyll dem grünen Blattfarbstoff betrieben. Mit der Anwesenheit von Sonnenlicht, Wasser und Kohlendioxid wird Traubenzucker (Glukose) und Sauerstoff hergestellt. Dieser Traubenzucker kann zu Stärke weiterverarbeitet werden.

Die Photosynthese ist also eminent wichtig, damit täglich genügend Futter für unsere Tiere zur Verfügung steht. Verschiedene Wissenschaftler wollen die Energiefrage mit ähnlichen Prinzipien – wie die Photosynthese natürlich funktioniert – lösen. Ansätze sind vorhanden. Weltweit forschen so Wissenschaftler an Solarzellen, die die Photosynthese der Pflanzen nachahmen und aus Sonnenlicht und Wasser synthetische Brennstoffe wie Wasserstoff bilden. Empa-Forscher haben nun eine solche photoelektrochemische Zelle dem Mottenauge nachempfunden und dadurch die Lichtausbeute drastisch erhöht (Quelle: ee-news, Juni 2014).

Das Wachstum aller Pflanzen mit grünen Blätter ist mit der Photosynthese gekoppelt. Die Aktivität ist immer abhängig von klimatischen Faktoren wie Licht, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Frischluftzufuhr mit Kohlendioxid und ausreichend Wasser. Mit Ausnahme des Kohlendioxids sind diese Faktoren auch ausschlaggebend für eine erfolgreiche Tierhaltung; nur dass anstelle von Kohlendioxid genügend Sauerstoff vorhanden ist.

Uebrigens das Jahr 2015 erklärten die Vereinten Nationen zum „Internationalen Jahr des Lichts“ ; dies war sicher auch ein guter Anlass, um sich mit dem Thema der Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen.

 

Tabelle: Lichteffekte auf tierische Leistung

  Wachstum Fortpflanzung (Zyklus) Laktation (Leistung) Eizahl, Eigrösse
Rind + (postpubertal) +  
Schaf + z.T +++ ?  
Ziege ? +++ +(?)  
Huhn + +++   +++
Pferd ? +++ ?  
Kaninchen ? +++ ?  
Schwein +/- + +  

Quelle: Susanne E.Ulbrich, Physiologie, Weihenstephan

Fruchtbarkeit wird immer mit den Lichtverhältnissen ins Spiel gebracht

Licht spielt auch in der Legehennenhaltung eine entscheidende Rolle; mit Lichtprogrammen  in der Grössenordnung von 10 bis 14 Stunden wird versucht eine hohe Legeleistung zu erreichen, um so wirtschaftlich produzieren zu können.

Verschiedene Studien zeigen auch einen positiven Einfluss auf die Leistung der Milchkühe. Bei einer täglichen Lichtdauer von 16 Stunden geben die Kühe 1,5 bis 3 Kilogramm mehr Milch pro Tag. Bei Rindern beeinflusst das Lichtprogramm das Wachstum, die Geschlechtsreife, die Entwicklung der Milchdrüse und die Milchleistung.

 

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  • Bild 4: Heinz Schmid
  • Aus dem Versteck: Heinz Schmid

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