Kreuzungen und damit Hybridnachkommen sind bei höheren Pflanzen bereits längere Zeit  bekannt und bei Tieren lange Zeit selten beobachtet worden. Durch  neue Zuchtprogramme konnten die  Genetiker von den Vorteilen überzeugt werden, so dass heute für die Fleischproduktion in der Nutztierhaltung  mit zwei bis vier Rassenkreuzungen gearbeitet wird.

 In der Rassenkaninchenzucht werden kaum Kreuzungen mit einem züchterischen Aspekt vorgenommen; wer aber das Handwerk der  Kreuzung  gezielt für eine Merkmalsverbesserung einsetzt, kann durchaus auch Erfolge später in der Rassenkaninchenzucht erzielen.

Was heisst Hybrid?

Liegt eine Paarung  zweier rassenreiner Kaninchen von unterschiedlichen Rassen vor, dann spricht  der Genetiker von einer Hybridzucht. Diese Hybridzuchten werden vor allem bei den  Nutztierarten (Legehennen) verstärkt eingesetzt; sie ist aber auch in der Pflanzenzüchtung zu finden.  Es geht dabei immer um bestimmte Merkmale zu verbessern oder umgekehrt um degenerative Fehlbildungen auszuschalten.

In der Kaninchenzucht werden solche Kreuzungstiere als Bastard oder Mischling bezeichnet.  Dieser mit einem negativen Image behafte Ausdruck ist aber erklärungsbedürftig. Meist sind solche Tiere sehr fruchtbar und gedeihen prächtig. Warum? Erbkrankheiten können sich nicht durchsetzen, weil über die Paarung zweier komplett verschiedener Tiere kaum eine Homozygotie der Allele entstehen kann.  Die Tiere bleiben gesund und vital. Der väterliche und der mütterliche Chromosomensatz weisen eine  grössere Vielfalt von Genen auf.

Welche Vorteile haben Kreuzungen ?

Kreuzungen sind  Paarungen ausserhalb einer Rasse oder eines Farbenschlages mit dem Ziel der Genvielfalt Tiere zu erzeugen, die in gewissen Merkmalen den Elterntieren überlegen sind. Gekreuzt wird aber auch um gewisse Gene einer Rasse in der Ausprägung der folgenden Nachkommen zu hindern; man spricht dann  beispielsweise von Verdrängungskreuzung.

Doch im folgenden Kreuzungschema wollen die verantwortlichen Zuchtexperten bewusst Eigenschaften für eine wirtschaftliche Kaninchenhaltung fördern. Wie das gemacht wird, zeigt folgendes Beispiel:

Muttertier (M1)          x Vatertier (V1)    
         
  F1- Tochter     X Vatertier  (V2)
         
  Masttiere Masttiere Masttiere Masttiere

Bei der Erzeugung von F1- Töchtern  werden Muttertiere mit  hoher Fruchtbarkeit und  Aufzuchtleistung  mit Vatertieren einer ebenso fruchtbaren Rasse eingesetzt. Als Ausgangsrassen kommen Rassen mit mittleren Gewichten in Frage.
Die beiden Rassen sind mit einander überhaupt nicht verwandt, weshalb ein Heterosiseffekt erzielt werden kann; d.h. die erzielten Leistungen liegen über dem Rassendurchschnitt.

Zur Erzeugung der eigentlichen Mastrassen werden die F1-Töchter mit Vatertieren (V2) gepaart. Diese Rammler sind meist grossrahmig  mit einem überdurchschnittlichen  Schlachtwert, hohen Tageszunahmen  und eine überdurchschnittliche Futterwertung. Als mögliche Rassen kommen vorzugsweise weisse Neuseeländer (oder Weisse Riesen oder Widder) in Frage.

Im Ausland (Frankreich und Deutschland)  gibt es solche Zuchtprogramme, doch meistens wird nicht bekannt gegeben, um welche  Ausgangsrassen es sich handelt.  So ist es durchaus möglich, dass die Vatertiere ebenfalls aus einer vorhergehenden Paarung zweier Rassen entstanden sind und im weiteren Zuchtprogramm mit F1-Söhnen gearbeitet wird.

Nicht selten verwenden solche Zuchtgenossenschaften die künstliche Besamung als sehr effiziente Arbeitserleichterung.

Heterosiseffekt: Gegenteil von Inzuchtdepression

 

Unter dem Heterosiseffekt verstehen wir die Paarung  zweier Tiere unterschiedlicher Rassen,  bei deren Nachkommen sich die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Allele mischerbig sind.  Vor allem bei Merkmalen mit tiefer Erblichkeit, die von mehreren Genen beeinflusst werden, können diese mischerbigen  Allelkombinationen einen positiven Effekt auf Leistungen haben. Der Tierhalter spricht dann von einem Heterosiseffekt bei sicht – oder messbarer Verbesserung einzelner Merkmale aus einer Kreuzung in der F1-Generation. Der  Effekt ist also höher als aus dem Durchschnitt  der beiden Eltern zu erwarten gewesen wäre.

  • Der Heterosiseffekt ist am höchsten bei Merkmalen mit tiefer Erblichkeit ( Fruchtbarkeit wie Wurfgrösse, Vitalität der Jungtiere, Gewicht der Jungtiere beim Absetzen)
  • Der Heterosiseffekt wirkt nur in der ersten Kreuzungsgeneration F1  
  • Je unterschiedlicher das Erbgut der Eltern, desto höher ist der Heterosiseffekt bei den Nachkommen feststellbar.      

Hybridmastrassen bei Kaninchen als Beispiel

 

Zika ist ein deutsches Zuchtprogramm, das  folgende  Zuchtziele verfolgt: In der Mutterlinie die Muttereigenschaften, Milchleistung, Fruchtbarkeitsleistungen (Konzeptionsrate, Wurfgrösse, Wurfgewicht, Zwischenwurfzeit), Libido der Böcke und  Spermaqualität. Bei den Vaterlinien werden Frohwüchsigkeit, Gewichtsentwicklung, Futterverwertung, ruhiges Temperament, Eignung für Gruppenhaltung, Schlachtkörper- und Fleischqualität gesucht.

Zika-Zibben fallen auf durch grosse Würfe. Durch die Verwendung von mehreren Rassen lässt sich in der Aufzucht  ein Heterosiseffekt erzielen, der sich in einer besseren Jugendentwicklung zeigt.

Ferner sind die Hybridkombinationen Hyla und Freres Grimaus aus Frankreich sowie Hycol aus der Niederland in der Schweiz bekannt.

Rekord mit fast 400 Jungtieren von einer Häsin

 

De Landesanstalt  für Landwirtschaft (BRD) meldete  vor mehr als 10 Jahren  einen Rekord, der bis jetzt wohl kaum gebrochen wurde. So hatte eine Zika-Häsin im Schnitt acht Junge in den ersten zehn Würfen. Anschliessend wurde sie verlegt  und brachte vier weitere Würfe mit durchschnittlich 8.75 Junge auf die Welt. Interessant wurde dabei festgestellt, dass nach einem grossen Wurf  immer ein kleiner Wurf folgte, das heisst die ungeraden Würfe  mit neun bis dreizehn 13 Jungtieren und in geraden zwischen vier und sechs Jungtieren. Anschliessend wurde die Zibbe wieder verkauft und ein Kleintierhalter zog  innerhalb von sechs Jahren  weitere 34 Würfe auf; immer abwechselnd mit einem grossen und einem kleinen Wurf und durchschnittlich acht Jungen. In dieser Zeit zählte der kleinste Wurf drei Tiere und der grösste  vierzehn  Jungtiere. Der Rhythmus des Belegens und Werfens war während dieser Zeit nicht mehr so intensiv wie auf dem vorhergehenden Wirtschaftsbetrieb, meist konnte die Zibbe  erst beim Absetzen oder einige Tage zuvor  wiederbelegt werden.  Im Communiqué heisst es, die Häsin sei stets ausgeglichen gewesen, wenn sie entweder gedeckt war oder eben Junge hatte. In der restlichen Zeit sei sie knurrig und bissig gewesen.  Nach all diesen Jahren stand ein weiterer Züchterwechsel an und die Häsin brachte  im folgenden Wurf aber nur noch ein Jungtier zur Welt.  Alle glaubten das Potential sei nun zu Ende, doch im folgenden und 50. Wurf waren es wieder deren 13 Jungtiere.  Diese Häsin hatte also 398 Jungtiere geboren; wahrlich eine Leistung.       

 

Sind Kreuzungen zwischen Feldhasen und Kaninchen möglich?

 

 

Nein! Öfters spricht man im Volksmund von Hasen und meint damit Kaninchen.  Es handelt sich bei diesen Tieren um zwei komplett verschiedene Gattungen, die sich doch in einigen Punkten unterscheiden, nicht nur in der Anzahl der Chromosomen.  Die Kaninchen  sind  durch  eine Vielzahl von Züchtungen hervor gegangen und dabei sind Rassen entstanden, die sich doch sehr deutlich unterscheiden wie keine andere Art der Nutztiere. So gibt es Rassen wie die Belgisch- Riesen mit einem Körpergewicht von mehr als sieben Kilogramm aber auch die Hermeline und Farbenzwerge  mit einem Gewicht von rund einem Kilogramm. Feldhasen sind  Nestflüchter und Kaninchen Nesthocker, welche  zehn Tage blind sind und kaum vor drei Wochen das Nest verlassen.

 

Fischen nach Wertvollem.

 

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