2. Juli 2020

Was könnte eine konservierende Gartenbewirtschaftung bedeuten?

Die Bauern verstehen unter konservierender Landwirtschaft Anbausystem im Acker- und Futterbau, dabei ist auch die Tierhaltung integriert. So gesehen geht es um eine Sichtweise des gesamten Betriebes. Im Vordergrund stehen einerseits die natürlichen Ressourcen und anderseits sollen ökologische Massnahmen gefördert werden.

Aufgebaut wird diese Bewirtschaftungs-Sichtweise, indem der Boden bewusst eine Pause (Bodenruhe) erhält, ihm eine Bodenbedeckung zugesprochen wird und bewusst auf eine Pflanzenvielfalt geachtet wird.

Bodenruhe auch im Garten möglich?

Die Landwirte bearbeiten mit Direktsaat-Techniken in einem Arbeitsgang den Acker. Ein Säschlitz entsteht, in den ein Samenkorn direkt hineingelegt wird. Solche Systeme der Bearbeitung kennen wir in der Gartenwirtschaft nicht. Mit der Bodenruhe sollen bewusst weniger Bodenbewegungen erfolgen; das könnte auch die Gartenbewirtschafter interessieren.

Finden in unserem Garten nicht zu viele Bodenbewegungen statt? Umgraben, Hacken, fein machen; ginge es nicht auch mit weniger? Der Gartenboden hat über die Jahre durch unterschiedlich darauf wachsende Pflanzen eine Struktur aufgebaut, in der sich unzählige Bodenlebewesen aufhalten. Das können Regenwürmer, Strahlenpilze oder auch nicht sichtbare Mikroorganismen sein. So gesehen kann ein häufiges Umwenden des Boden nicht vorteilhaft sein, denn Organismen werden total aus dem Rhythmus gebracht. Lebewesen, die in den sauerstoffreicheren, oberen Schichten leben, können in unteren Schichten nicht überleben. Die Verarbeitung von organischem Material zu Humus ist gestört. Und damit erhalten gesäte oder angepflanze Kluturen nicht mehr die notwenigen Nährstoffe.

Minimal Bodenbearbeitung geht zulasten schwerer Bearbeitungsgeräte.

Eine Bodenbedeckung wirkt schützend

Genauso wie bei landwirtschaftlichen Kulturen, bei denen die Oberfläche des Boden vor Witterungseinflüssen (Starkregen, Sonne etc.) zu schützen ist, gehen wir Hobbygärtner vor. Wir wollen die Bodenfurchtbarkeit langfristig fördern und aufbauen. Dies können wir nur erreichen, wenn Gründüngungspflanzen bewusst in die Fruchtfolge eingebracht werden. Der Anbau von Leguminosen erachte ich als sehr vorteilhaft, weil die Lippenblütler wunderbar blühen und zudem den Boden mit Stickstoff anreichern. Es können auch Ernterückstände oder organische Dünger wie Mist und Kompost sein. So bildet sich eine Mulchschicht, die das Ziel eines permanenten Schutzes des Boden erfüllt.
Auch der Rasenschnitt, der in der Regel keine Samen enthält, ist als Mulchmaterial hervorragend geeignet, Schutzfunktionen bei wachsenden Pflanzen (Kohl, Tomaten, Salaten etc.) zu übernehmen.

Phacelia ist nicht nur eine Augenweise; sie ist auch eine Bienenfutterpflanze.

Pflanzenvielfalt in Kombination mit Tierhaltung

Im Gegensatz zur Landwirtschaft, bei der eine gut durchdachte Fruchtfolge zwingend ist, ist im Garten eine streng geregelte Abfolge der Kulturen nicht immer möglich. Gerade in einem Hochbeet sind häufig mehrere Pflanzkulturen nebeneinander. Bei Salaten, bei denen täglich nur ein Kopf im Haushalt verwendet wird, setzen die HobbygärtnerInnen gerne rasch Pflanzen nach. Dies erscheint auch vernünftig, aber erschwert eine konservierende Gartenbewirtschaftung.

In der konservierenden Landwirtschaft ist eine Fruchtfolge von vier Kulturen gebräuchlich, wovon eine eine Leguminose sein muss. In unserem Garten arbeiten wir ähnlich. Als Leguminosen kommen bei uns Puffbohnen, Buschbohnen und auch Inkarnatklee als Gründüngung zur Anwendung. Damit können Fruchtfolge-Krankheiten und manchmal auch Verunkrautungen unterdrückt werden.

HobbygärtnerInnen halten nebenbei häufig auch noch Kleintiere wie Hühner und Kaninchen. Der Nährstoffanfall über den Mist ist für den Humusaufbau im Garten nur von Vorteil. Gut verrotteter Mist und die Forderung nach einer permanenten Bodenbedeckung erfüllen die Zielvorgaben.

Bei dieser Art der Gartenbewirtschaftung sparen die HobbygärtnerInnen an Energieressourcen und fördern die Speicherung von Kohlenstoff in Form von Humus; auch tragen die geringen Nährstoffverluste zur Reduktion der Umweltbelastung bei.

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