Hühner fressen Würmer

Die Suche nach neuen Proteinquellen für die Zukunft hat begonnen! Insektenprotein wird dabei viel diskutiert.

Je länger je mehr sind die Transporte, die Produktionsart und die GVO-Freiheit von Eiweisskomponenten in den Schlagzeilen.Mit Recht sind Verhandlungen im Gange nach dem kleinsten Uebel. In diese Diskussion fliesst auch der mögliche Einsatz von Insektenprotein.

Man darf gespannt sein, wie die Akzeptanz für Lebensmittel – erzeugt mit Insekten – herauskommt.

Hier eine Zusammenstellung möglicher Ueberlegungen zu Insektenprotein:

 

1.Grund: In einigen Ländern der Welt ernähren sich die Menschen bereits mit Insekten!

Schauen wir bei den Industrieländern Europas, dann werden 70 % des Proteinbedarfs aus tierischen Nahrungsmittel abgedeckt.  Diese Art von Fleischproduktion steht aber in der Kritik, weil sie sehr Ressourcen (Boden, Wasser und Energie) aufwendig betrieben zu betreiben ist.

Wenn bis zum Jahr 2050 9 Milliarden Menschen Nahrungsmittel brauchen, dann geht die UNO-Welternährungsorganisation FAO von einem zusätzlichen Bedarf an Proteinen von 265 Millionen Tonnen pro Jahr aus.  Dies wird unmöglich über die Erhöhung der Nutztierzahlen erreicht werden können; es braucht also andere Quellen.

2.Grund:Insekten sind einfach aufzubereiten!

Wir gehen davon aus, dass Insektenprotein ballastreich und eine Vielzahlt von Mikronährstoffen aufweist. Somit ist leicht zu verstehen, dass gut ein Drittel der Weltbevölkerung einen stattlichen Anteil des Proteinbedarfes aus Insekten abdecken muss.

Auf dem menschlichen Insekten-Speiseplan stehen am häufigsten Käfer und ihre Larven, aber auch Schmetterlinge und Hautflügler (Bienen, Wespen etc.) .Ebenfalls dazugehören Heuschrecken und Termiten sowie Fliegen und Mücken.

Etwa 1900 Insektenarten sind für  3000 ethnische Gruppen in 113 Ländern essbar.  Wenn dies so ist, dann müssten doch auch Insekten im Tagesmenu des Geflügels hier in Europa möglich sein .

3.Grund: Insektenprotein ist sehr gehaltsreich an Vitaminen und Mineralstoffen!  

Die Insekten sind sehr gehaltsreich und enthalten ausser dem Protein viele Vitamine, Mineralstoffe und mehrfach ungesättigte Fettsäuren.  Es gibt Angaben, die besagen, dass 100 Gramm Raupen den täglichen Nährstoffbedarf an Protein zu 76 % abdecken und den Vitaminbedarf fast zu 100 %.

Mehlwürmer
Mehlwürmer als Proteinergänzungsfutter sind häufig in Diskussion

Wenn die Insekten so inhaltsreich für den Menschen sind, dann gibt es keinen Zweifel, dass sie es auch für das Geflügel sind.

Erstaunlich ist noch, dass  80 % der Insekten geniessbar sind, während es bei dem Rindern beispielsweise nur 40 % sind.

4.Grund: Die Produktion von Insektenprotein ist ressourcenschonend!

Neben ihren ernährungsphysiologischen Vorteilen und dem damit verbundenen gesundheitlichen Plus schwingt die Insektenproduktion auch bezüglich Ressourceneffizienz obenaus. Kurz gesagt: Es ist eine sinnvolle und ökologisch Alternative zur Fleischproduktion.

Die hohe Effizienz (= Verhältnis eingesetzter Ressourcen zu gewonnen Proteinen) an essbaren Anteilen bei den Insekten ist unschlagbar. So ist beispielsweise bei den Grillen – das Aussenskelett mit dem unverdaulichen Chintin abgerechnet – immerhin noch 80 %  des essbaren Körpergewichtes übrig. Im Vergleich dazu sind es bei Schweinen und Hühnern etwa 55 % und bei Rindern – wie gesagt – nur etwa 40 %.

Heuschrecken hier in Kombination mit Mehlwürmern und Skrims sind denkbar
Eine Zusammenstellung mehrer Insekten ergibt eine Mischung mit einem hohen Rohproteingehalt .

Laut der Welternährungsorganisation verbraucht die Zucht und Produktion von Heuschrecken bis zu 12 Mal weniger  Futter als die der vergleichbaren Menge Rindfleisch.

 

5.Grund: Weniger Treibhausgase sprechen für das Insektenprotein!

    Was heute ebenfalls immer mehr zählt, sind die Treibhausgase, die im Vergleich zu Schweine- und Rindfleischproduktion deutlich weniger sind.

Nur etwa ein Hundertstel der Treibhausgase emittieren die Insekten bei vergleichbar gleich hoher Proteinmenge.

Dies ist einerseits auf die Insekten als Kaltblütler zurückzuführen, die die Körpertemperatur der Umgebungstemperatur anpassen. Andererseits können Larven der Schwarzen Soldatenfliege aus Agrarabfällen und Lebensmittelresten gefüttert werden.

6. Grund: Insektenprotein in Aquakulturen zur Entlastung des Fischmehls bereits erlaubt!

Die EU-Kommission erlaubt seit dem Juli 2017 die Verwendung von Insektenprotein für die Aquakultur; weltweit stammen schon rund 50 % des weltweit verzehrten Fisch aus Aquakulturen.

Die eiweissreichen Insekten-Larven zeigen hier aber ein besonders grosses Potential, denn neben der guten Eiweissqualität weist das Insektenmehl ebenfalls ein hochwertiges Fett auf, welches dem Palmkernöl ähnelt und es sogar verdrängen kann.

Es ist klar, um die Oekosysteme zu entlasten, muss die Fischzucht nachhaltiger werden. Esdarf, um dieses Zeil zu erreichen, kein Fischmehl und Fischöl  vor allem aus Wildfangfischbeständen mehr in Betracht kommen.

7.Grund: Tierische Eiweissfütterung an Geflügel/Schweine wird überprüft!

Nach dem DVT (= Deutscher Verband Tiernahrung) gehört das Insektenprotein in die Gruppe der tierischen Eiweisse.

„Der Einsatz  ist im Nutztierfutter für Rind, Schwein und Geflügel (derzeit) nicht erlaubt. Um ihn zu ermöglichen, müssen  zunächst  gesetzliche Aenderungen auf EU-Ebene beschlossen werden. Für Heimtierfutter (und Fischfutter)  sind diese dagegen gemäss der Rechtslage bereits heute  erlaubt.

Insekten liefern  vor allem Protein und Fett; sie wären bei Zulassung  für Nutztierfutter gleichwohl  nur eine weitere Möglichkeit zur Ergänzung des Rohstoffangebots für die Herstellung von Mischfutter oder den direkten Einsatz als Einzelfuttermittel. „

Inzwischen hat die EU-Kommission die Pläne für verarbeitetes tierisches  Protein von Schweinen konkretisiert und arbeitet daran, dass es im Geflügelfutter wieder erlaubt werden soll. Im Zuge dieser Wiederzulassung würden dann auch Insekten als tierische Proteinquelle einbezogen.

8.Grund:  Wenn schon für den Menschen in EU erlaubt, dann in einem ersten Schritt auch für das Geflügel!

In den Niederlanden und Belgien sind Lebensmittel aus Insekten bereits seit 2015 unter bestimmten Bedingungen zu kaufen. Im Zuge der Freigabe sind in den Niederlanden eine Reihe ganz neuer Firmen entstanden, die beispielsweise Insekten zu Proteinriegeln, Nudeln und Brot verarbeiten. Aber auch in Deutschland gibt es bereits  Start-ups, die mit Insektenburgern  oder Protein-Riegeln auf dem Markt kommen.

In der Schweiz sind Grillen, Wanderheuschrecken und Mehlwürmer seit Mai 2017 als Lebensmittel zugelassen. So gibt es bereits Insekten-Burger oder Hackbällchen aus Insektenfleisch in den Regalen grosser Supermarktketten.   

Es müsste als nur logisch sein, wenn Insektenprotein in der menschlichen Ernährung zugelassen ist, dass es im Nutztierbereich – vor allem bei Geflügelfutter – auch eingesetzt werden darf.  

9. Grund: Der hohe Gehalt im Vergleich spricht für das Insektenprotein!

Forschungsergebnisse zeigen, dass ein beachtlicher  Anteil des Sojaextraktionsschrotes im Futter der Schweine und des Geflügels ersetzt werden kann. Aus Sicht der Akzeptanz, Kombinationseignung sowie der Produktqualität bestehen bei Insektenmehlen weniger Einschränkungen in der  möglichen Einsatzhöhe.

Inwieweit  eine wirtschaftlich interessante  Erzeugung von qualitativ hochwertigen Insektenmehlen  möglich ist, wird aber die Zukunft zeigen müssen.

Inhaltsstoff
Sojaextraktionsschrot Hermetia Mehl
Trockenmasse 895945
Rohprotein 481608
Rohasche
6975
Rohfett 21141
Rohfaser 93109
Aminosäuren-Gehalte
Lysin 6.075.42
Methionin 1.281.24
Cystein 1.460.8
Threonin 3.783.57
Arginin 7.194.12
Valin 4.375.36
Leucin 7.326.24
Isoleucin 4.343.86
Histidin 2.532.73

10.Grund: Insektenfarmen der Firma Protix beginnen als Eiweiss-Lieferanten für Tierfutter.

Nach Angaben des Unternehmens ist Protix weltweit die erste Firma, die im grossen Stile Larven der Soldatenfliege züchtet und zugleich zu Tierfutter verarbeitet.  In dieser Fabrik  könnten Proteine  produziert werden, um rund 5 Millionen Lachse ein Jahr lang zu ernähren.

Bislang  ist in der EU die Verfütterung  von toten Insekten  nur in der Fischzucht  und bei Heimtieren gestattet. Erwartet wird aber, wie weiter oben bereits beschrieben, dass das Verbot für Schweine- und Geflügel aufgehoben wird.

Protix ist nach eigenen Angaben  der weltweit grösste Produzent von Insekten  und exportiert auch nach Deutschland. Das Unternehmen will aber auch weitere Fabriken eröffnen; die Rede ist auch von der Schweiz.

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