Heu muss nicht nährstoffreich, aber qualitativ hochstehend sein! Als Heu wird der erste Schnitt im Frühling zur Dürrfuttergewinnung bezeichnet. Es ist nicht der nährstoffreichste Schnitt, aber für rohfaserliebende Tiere wie das Kaninchen der beste. Doch dafür muss die Konservierungsphase wie auch die anschliessende Lagerung bestens ausgeführt werden.

Die Dürrfutterqualität wurde im Laufe der vergangenen Jahrzehnten in der Schweiz laufend verbessert, das zeigt auch eine Analyse, die erst kürzlich abgeschlossen wurde. Einen Einfluss auf Quantität und Qualität haben ohne Zweifel die Höhenstufen, das heisst, dass je höher (Meter über Meer) die Dürrfutterernte stattfindet, desto stärker steigt der Rohfasergehalt und desto mehr sinkt der Energie- und Proteingehalt. Aber sind all diese Werte auch wichtig für die Kaninchenfütterung?

Was ist beste Heuqualität in der Kaninchenration?

Bestes Dürrfutter ist eine zentrale Anforderung für die Gesundheit und Leistungsbereitschaft der Kaninchen. Was ein Dürrfutter wert ist, das lässt sich feststellen. Einerseits lässt sich der Nährstoffgehalt, andererseits auch die mikrobiologische Belastung des Dürrfutters analysieren und beurteilen.

Mit einem Trockensubstanzgehalt von mehr als 86 Prozent wird auf die Lagerfähigkeit (mikrobiologische Stabilität) Einfluss genommen. Dieser Wert wird in der Regel erst nach der natürlichen Nachtrocknung (Schwitzphase) erreicht. Bevor Dürrfutter den Tieren vorgelegt wird, sollte es zwei Monate gut gelagert werden. Während dieser Zeit findet eine Fermentation statt. Heu, das vor dieser Zeit verfüttert wird, führt bei den Tieren zu Verdauungsstörungen.

Doch bereits beim Einbringen – also bei der Ernte – gilt es, nur einwandfreies Futter auf dem Heustock zu lagern. Ist das Futter zu sehr getrocknet, entstehen Bröckelverluste (häufig sind es die Blätter der Kräuter), die umso höher sind, je häufiger das Erntegut noch bearbeitet wird. Mit einem ausreichenden Eiweiss- und Mineralstoffgehalt sowie genügend Rohfasern werden die Voraussetzungen für eine bedarfsgerechte Ernährung der Kaninchen erfüllt.

  • Für die mikrobiologische Beurteilung stehen für jedes Einzelfuttermittel Orientierungswerte zur Verfügung- auch für Dürrfutter. Mit sogenannten Keimzählplatten werden Indikatorkeime als koloniebildende Einheiten (KBE) pro Gramm erfasst, sowohl für Bakterien wie auch für Schimmelpilze und Hefen. Als Beispiel sei erwähnt, dass Heu für die normale Stufe 30 x 10 6 KBE pro Gramm Dürrfutter enthalten darf; bei den Hefen sind es 150 x 10 3 KBE pro Gramm Dürrfutter.

Jeder Tierhalter kann eine Sinnesprüfung beim Heu durchführen

Was immer den Tieren vorgesetzt wird, sollte auch überprüft werden. Im Gegensatz zum Kraftfutter, das bei der Produktion und auch durch amtliche Kontrollorgane regelmässig geprüft wird, wird das Dürrfutter, das selbst hergestellt wurde, zu wenig unter die Lupe genommen. Mit des Tierhalter’s Nase und Augen lassen sich aber bereits einige wichtige Aussagen über die Qualität des Dürrfutters machen.  

Viele Kräuter und Gräser lassen ein gutes Heu richtiggehend duften.

Als mögliche Variante zur Beurteilung des Heus können die Tierhalter zu folgenden Stichworte ihr Dürrfutter überprüfen.

  • Die Verpilzung: Angestrebt werden keine sichtbaren Schimmelpilze; sind keine vorhanden, so wird dies für die Qualität am stärksten gewichtet.
  • Die Farbe: Für eine herausragende Qualität wird ein Heu mit grüner Farbe gewünscht. Ein verfärbtes, ausgeblichenes oder noch schlimmer ein gebräuntes oder schwärzliches Dürrfutter wird als schlecht bewertet.    
  • Den Geruch: Es wird ein Dürrfutter mit dem typisch, aromatischen Heugeruch gewünscht; ein kräuterreiches Grünfutter führt zu einem ausgezeichnet, duftenden Dürrfutter.
  • Die Verschmutzung oder Staubbildung: Erde, kleine Steine oder Aeste gehören nicht in das Dürrfutter. Ein zu stark mit Staub verschmutztes Dürrfutter ist übrigens eine Gefahr für die Gesundheit der Tiere.

Halten wir fest, dass für eine gute Qualität die Pflanzenzusammensetzung, der Schnittzeitpunkt, die Erntetechnik und die anschliessende Lagerung ebenso entscheidend sind.

Bergwiesenheu oder Camargue-Heu

Gutes Heu wird in Kleinpackungen in Zoohandlungen und bei den meisten Grossverteilern zu entsprechenden Preisen angeboten. Diese Kleinstballen sind für die Heimtierhaltung, bei der meist nur ein Kaninchen in der Wohnung gehalten wird, sicher ideal, brauchen sie doch wenig Platz für die Lagerung.

Viele, die selbst keine Parzelle für die Dürrfuttergewinnung haben, kaufen Kleinballen zu 20 bis 25 Kilogramm direkt von einem in der Nähe gelegenen Bauernhof. Diese sind meist sehr kostengünstig und können bei Bedarf laufend ergänzt werden.

Nur wenige haben den Kontakt zu Verkaufsstellen, bei denen Spezialheu angeboten wird. Gern gefressen wird das gut riechende, kräuter- und gräserreiche Bergheu von den extensiven Wiesen. Dagegen lässt sich nichts einwenden!
Es gibt auch Züchter, die auf das in der Camargue produzierte Crauheu setzen. Dieses ausgesprochene, rohfaserreiche Heu findet auch viele Liebhaber vor allem aus der Pferdehaltung.

Wir sind der Auffassung, obwohl immer weniger Kleinballen angeboten werden, dass sich durchaus gutes Heu in der Nähe einer Kleintierstallung finden lässt; auf jeden Fall ist es ökologischer als ein Heuzukauf über Hunderte von Kilometern.

Rohfasergehalte verschiedener Pflanzenbestände

Rohfasergehalt verschiedener Pflanzenbestände während unterschiedlichen Entwicklungsstadien (Rohfaser in Gramm pro Kilogramm Trockensubstanz; Quelle Fütterungsempfehlungen und Nährwerttabelle, LWZ Zollikofen)

Stadium 1 = Beginn des Schossens der Gräser; Stadium 2 = Schossen ( Weidestadium)
Stadium 3 = Beginn Rispenschieben; Stadium 4 = Volles Rispenschieben
Stadium 5 = Ende Rispenschieben; Stadium 6 = Blüte des Grases; Stadium 7 = Samenreife

Interessanterweise sind Gras-Mischbestände in jedem Entwicklungsstadium rohfaserreicher als kräuterreicher Bestände.

Kleine Blätter der Pflanzen zerfallen sehr gerne bei der Heuernte

Wie soll Heu am besten gelagert werden?

In den Kleinstierställen ist meist nicht genügend Platz für die gesamte Heu- und Strohlagerung. So ist man versucht, die Ballen ausserhalb – meist nicht genügend vor Witterungseinflüssen geschützt – mit Plastikplanen zu schützen. Einmal feucht gewordenes Dürrfutter kann den Kaninchen nicht mehr als Ernährungsquelle vorgesetzt werden. Klein-Heuballen gehören auch nicht in dicht abgeschlossene Plastiksäcke während der Lagerung.
Empfohlen wird eine trockene und kühle Lagerung, bei der sich eine regelmässige Ueberwachung leicht durchführen lässt. Vor allem dürfen sich im Heu keine anderen Tiere verweilen; durch Kot verschmutztes Heu gehört direkt auf den Mist.
Von einer allzu langen Lagerung des Heu ist ebenfalls abzuraten, bauen sich doch die Nährstoffe ab; insbesondere beim Vitamin Beta-Carotin stellt man im Frühling einen tieferen Gehalt fest. 

Ein stabiles Futtergeschirr gehört zu einer erfolgreichen Kaninchenhaltung:

Analyse-Möglichkeit

Verschiedene Futtermittellabors in den DACH-Ländern bieten bezüglich der Nährstoffgehaltsbestimmung ihre Dienste an. So ist es beispielsweise bei Dürrfutter möglich, den Wassergehalt, Rohprotein, Rohfaser, Rohasche sowie die Mineralstoffe Kalzium, Phosphor, Magnesium, Kalium und Natrium pro Kilogramm Trockensubstanz in der Grössenordnung von 50 Euro bestimmen zu lassen.

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  • Gutes Bergheu schmeckt gut: Heinz Schmid
  • Schöne Halme werden gerne gefressen: Heinz Schmid
  • Heu ist das tägliche Brot für die Kaninchen: Heinz Schmid

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