Ein funktionierendes Gesäuge ist Voraussetzung für die Nachzucht. Diesem Organ wird in der Kaninchenzucht zu wenig Beachtung geschenkt, solange die Jungen säugen können, scheint alles in Ordnung zu sein; dem ist aber nicht so!

Bei jedem weiblichen Tier müsste – bevor es zur Zucht eingesetzt wird – die Milchleiste mit den Zitzen überprüft werden. Ist die Zibbe erst einmal Mutter, gilt es den Säugeakt respektive das Gesäuge mit den Zitzen zu überwachen. Viele Züchter werden überrascht werden, wenn sie eine Zibbe erst einmal auf dem Rücken liegend überprüfen.

In Exterieur-Beurteilung nicht integriert! Warum?

Bei den multiparen Säugetieren wie Hunde, Schweine und vielen Wildtieren und eben auch Kaninchen sind die Zitzen paarweise entlang der Milchleiste angelegt. Eine Zitze ist zylindrisch aufgebaut; darin finden wir einen Hohlraum die sogenannte Zisterne, in die die Kanäle der Milchdrüsen führen. Umgeben ist die Zitze von schützendem Hautgewebe.

Die Exterieurbeurteilung der Tiere dient dazu, körperliche Mängel aufzudecken. Dabei werden nicht nur das Gangwerk und der Körper (Brust, Rumpf und Rücken)  beurteilt; bei den Nutztieren gehen die Schauexperten einen Schritt weiter und beurteilen das Gesäuge sowohl bei männlichen wie auch bei weiblichen Zuchttieren. Die Zitzenanlagen sind bei beiden Geschlechtern gut sichtbar. Bei den Schweinen ist die Zucht so weit fortgeschritten, dass eine Milchleiste gefordert wird, die beidseitig je acht Zitzen aufweist, also insgesamt 16 Zitzen. Bei den Kaninchen müssten die Schauexperten je fünf Zitzen finden; also insgesamt 10 Zitzen, um von idealen Voraussetzungen für die Zucht zu sprechen. Diese gilt vor allem für Nutz- und Schlachtkaninchen.

Zitzen und gesamtes Gesäuge prüfen!

Unbestritten das Gesäuge ist in der Fortpflanzung der Kaninchen ein wichtiges Produktionsorgan. Durch die Ausprägung und die morphologische  Form der Zitzen werden sowohl die Milchsynthese und der Milchentzug beeinflusst. Die gesamte Entwicklung des Gesäuges ist von hormonellen Einflüssen geprägt. Bereits während der Pubertät, aber doch stärker während der Trächtigkeit entwickeln sich zuerst das Gangsystem und danach das gesamte Drüsengewebe durch Zellteilungen. Auf diese Merkmale wirken nicht nur genetische Faktoren, nein ebenso entscheidend sind gesundheitliche, ernährungs-und umweltbedingte Faktoren.

Es gibt einen genetischen Zusammenhang für Zitzenmängel und auch für Anomalien. Und interessanterweise betrifft sie beide Geschlechter – also sowohl den Rammler wie auch die Zibbe- weshalb der Züchter also auch auf der männlichen Seite selektionieren müsste. Doch wer schaut schon, ob bei dem Rammler die Zitzen überhaupt vorhanden sind.

Auszumerzen gilt es aber die sogenannten Stülp- oder Kraterzitzen, bei denen es sich um Missbildungen handelt. Dies kann gar soweit führen, dass die Nestlinge die betroffenen Zitzen nicht für den Saugakt nutzen können. Umso mehr gilt es in der Selektion solche Tiere aus der Zucht auszuschliessen. Ausser den Stülpzitzen gibt es auch noch andere Missbildungen in Form von Blindzitzen und nicht vollständig entwickelte Zwischen-oder Beizitzen.   

Arten der Gesäugeveränderungen

Aus der Tiermedizin ist bekannt, dass besonders Häsinnen mit ausgeprägtem sexuellen Verhalten zur Bildung von Entzündungen und Tumoren im Gesäugeorgan neigen. Diese erscheinenden Veränderungen sind immer ganz genau anzuschauen. Als erste ist abzuklären, ob nur eine Zitze oder das gesamte Gesäuge von der Krankheit betroffen sind. Wenn Schwellungen vorhanden sind, ist abzuklären, ob diese begrenzt oder unbegrenzt sind.

Sind die Beschwerden auf eine einzelne Zitze zurückzuführen, so ist bei der Untersuchung erst in Erfahrung zu bringen, ob schmerzhaft oder nicht. Wenn festgestellt worden ist, dass das Tier keine Schmerzen anzeigt, so ist herauszufinden, ob eine Umfangsvermehrung von Zellen gar als Abszess bezeichnet werden muss.

Ist das gesamte Gesäuge betroffen und die Häsin zeigt keinen Schmerz, dann ist über die Milchproduktion bei einer stehenden Häsin abzuklären, ob eine Milchproduktion vorliegt oder nicht. Bei Scheinträchtigkeit ist keine Milchproduktion möglich.

Nach dem Säugen ist vor dem Säugen

Interessanterweise gibt es auch bei Rammlern interessante Phänomene – verursacht sehr wahrscheinlich durch hormonelle Einflüsse -, bei denen das Gesäuge anzuschwellen beginnt. Bei genauerem Hinschauen stellt der Züchter gar fest, dass ein seröses Sekret abgegeben wird.     

Vergessen wir auch nicht die Gesäuge- und Zitzenverletzungen. Einerseits können sie über kleine Bissverletzungen der Jungtiere entstehen und andererseits  durch nicht optimal eingerichtete Stallungen.

Halten wir fest: Die Kontrolle des Gesäuge gehört zu den Pflichten eines guten Kaninchenzüchters; bei beendeter Säugezeit ist das Gesäuge der abgesetzten Häsinnen einer näheren Ueberprüfung zu unterziehen, bevor eine Zippe zur weiteren Zucht eingesetzt wird.

Grosser Abstand zwischen der zweiten und „dritten“ Zitzen; dazwischen sitzt eine Blindzitze, die keine Milch produziert.

Tumore kaum sichtbar

Da steht sie, eine Zibbe auf dem Tisch einer Züchtergruppe. Doch plötzlich ein Aufschrei und alle zeigen mit den Fingern auf die hintere Seitenflanke; die kritischen Züchter bemerkten eine Geschwulst. Also kaum sichtbar und bei genauerem Hinsehen allen einleuchtend. Als das Tier auf den Rücken gekehrt wird, fällt sofort auf, hier stimmt etwas mit den Zitzen nicht mehr. In der Tiermedizin sind solche „chronisch progressive“ als auch akut auftretende Veränderungen der Zitzenanlagen bekannt; sie sind aber wegen des dichten Haarkleides fast nicht zu sehen und werden meist spät erst bemerkt.

Zusammengeklebte Haare um eine Zitze. Hier gilt es genauer hinzuschauen! Ist diese Zitze nicht in Ordnung, dann wird sie von der Zibbe häufiger geleckt.

Weshalb solche Gesäuge -Tumore entstehen, ist noch nicht geklärt. Auch bei den Hunden ist der Grund von Erkrankungen wissenschaftlich nicht belegt.

Tierärzte, die bei Kaninchen Gesäuge-Veränderungen feststellen, machen nicht selten eine Punktion. Dabei wird nach Reinigung der Haut mit Alkohol eine Gewebsprobe entnommen. Liegt die Gewebsprobe auf dem Objektträger, so kann eine zytologische Untersuchung gemacht werden. So kann nun festgestellt werden, um welche Art von Entzündung durch welche Bakterien verursacht werden.   

Sekretion von Milch

Bei den weiblichen Säugetieren ist die Milchdrüse für die Ernährung des Nachwuchses im ersten Lebensabschnitt bestimmt. Im Prinzip ist es nichts Anderes als eine Hautdrüse, die auf die Sekretion von Milch entwickelt worden ist. Bereits bei der embryonalen Entwicklung werden sie aus Milchleiste gebildet. Diese Milchdrüsen heissen bei den Kaninchen Zitzen.

Rein äusserlich lassen sich kaum abgrenzbare Drüsenkomplexe feststellen. Die Mammarkomplexe  – wie sie in der Fachsprache bezeichnet werden – münden über mindestens einen Strichkanal zur Zitze. Ein entsprechendes Hohlraumsystem, in dem die sogenannten Alveolen (= säckchenartige Gebilde) die Milchproduktion vornehmen, ist das Hauptorgan. Von denen gehen die Leitungssysteme zu den Zisternen, die ihrerseits zu den oben besprochenen Zitzenkanäle gehen.

Das Drüsengewebe der Milchanlage, um den Nachwuchs zu ernähren, ist ein gut durchblutetes Organ. Bei den Milchkühen braucht es ein Blutvolumen 400 bis 600 Liter nur um einen Liter Milch produzieren zu können. Wenn diese Kennzahl auch nicht direkt auf die Kaninchen übertragen werden kann, so zeigt sie aber doch auf, dass das Gesäuge ein Leistungsorgan ist, das auf eine hohe Blutzirkulation angewiesen ist.  

Der Gesundheit des Gesäuges ist deshalb höchste Aufmerksamkeit zu schenken. Einerseits macht dies das Muttertier selber, indem dieses Organ mit einer intakten Infektionsabwehr ausgerüstet ist, andererseits ist es Pflicht des Züchters für hygienisch einwandfreie Verhältnisse zu sorgen und im Notfall den Tierarzt aufzusuchen. Das offene Kanalwesen für den Transport der Milch macht es möglich, dass Mikroorganismen leicht eintreten können und eine Entzündung auslösen können. Mit der Bestimmung der Zellzahlen (=Abwehr) lässt sich leicht sagen, ob hier alles in Ordnung ist oder nicht. Wenn mehrere 100 000 Zellen pro Milliliter Milch wegen einer Entzündung analysiert werden, ist die Gesundheit des Muttertieres belastet, die Jungtiere erhalten nicht eine absolut gesunde Milch.

Milch ist ein hochwertiges Nahrungsmittel für den Nachwuchs, damit dies so bleibt, ist den Zitzen und dem gesamten Gesäuge die nötige Beobachtung und Pflege zu zugestehen.

Jungtiere kümmern sich nicht um die Gesundheit ihrer Mutter; für sie gilt die Milchquelle muss funktionieren.

Kann eine Mastitis vorliegen?

Der aufmerksame Züchter überprüft das Nest – immer im Hinblick auf die Frage: Sind die Jungtiere ausreichend mit Milch versorgt? Liegen die Tiere den gesamten Tag ruhig im Nest, ist das ein Indiz, dass die Jungtiere ausreichend mit Milch versorgt wurden. Ist dies nicht der Fall d.h. ist die Ernährung unzureichend, können die Jungtiere aus dem Nest krabbeln. Die Jungtiere lassen sich dann einzeln im gesamten Stall finden. Dies ist ein Alarmzeichen spätestens jetzt das Muttertier genauer zu untersuchen.

Liegt eine Mastitis vor! Mastitis ist eine durch Bakterien entstandene Entzündung des Gesäuges oder einzelner Zitzen und wird vor allem bei Tieren in Laktation beobachtet. Der Eintritt der Bakterien wird durch sogenannte Mikroläsionen ( = kleine Verletzungen) der säugenden Jungtiere erst ermöglicht. Fühlt sich die Entzündung hart an; sind ein oder mehrere Zitzen geschwollen; sind die Zitzen gar gerötet und warm und reagiert das Muttertier bei der Berührung, dann sollte unter Aufsicht der Tierarztes eine gezielte Therapie unter Umständen mit Antibiotika durchgeführt werden.  

In ganz dramatischen Fällen müssen die Jungtiere vom Muttertier getrennt werden und je nach Alter künstlich ernährt werden (Katzenmilch) .

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