Mit der Zucht von Kaninchen will der Tierhalter gute Eigenschaften fördern und schlechte Eigenschaften verdrängen. Doch nicht immer ist bekannt, was schliesslich die Nachkommen zeigen werden. Gutes Beobachten der Tiere mag zwar hilfreich sein, doch ebenso nützlich sind Kenntnisse der Vererbungslehre, insbesondere die Mendelschen Gesetze, um mit der Zucht voranzukommen.

Zu verdanken haben wir die Erkenntnisse der Vererbungslehre Gregor Johann Mendel, der als Bauernsohn geboren wurde und anschliessend Theologie studierte. Als katholischer Priester wurde er ein bedeutender Naturforscher, der die nach ihm benannten Mendelschen Gesetze der Vererbungslehre entdeckte. Nicht zu Unrecht wird er als Vater der Genetik bezeichnet.

Heterozygote und homozygote Allele

Gene sind die Informationsträger, die auf demselben Chromosom (= Strukturen für die Gene) am gleichen Ort bleiben. Das gilt auch für die andere Hälfte des Chromosoms. Eine mögliche Ausprägung eines Gens an einen bestimmten Ort auf einem Chromosom nennt man Allel. Da Kaninchen einen doppelten Chromosomensatz aufzeigen, kann jedes Tier in seinen Zellen auf den beiden Chromosomensträngen am betreffenden Ort entweder zwei verschiedene (= heterozygote) Gene oder aber zwei gleiche (= homozygote) Gene des betreffenden Merkmals zeigen. Demnach würden zwei gleiche Gene der Reinerbigkeit für ein Merkmal sprechen; während zwei verschiedene Gene darauf hindeuten, dass das Kaninchen mischerbig ist.

Dominant setzt sich durch

Die Gesamtheit der Gene eines Lebewesens wird als Genotyp bezeichnet. Alle diese genetischen Informationen bekommt das junge Kaninchen mit in das Nest gelegt. Ein weiterer wichtiger Einfluss auf das  Jungtier hat die Umwelt. So nützen die besten Gene nichts, wenn nicht auch die Haltung, Pflege und Ernährung stimmt. Wie das Tier sich auf dem Richtertisch präsentiert, wenn es erwachsen ist, wird als Phänotyp bezeichnet. Dieser Phänotyp setzt sich immer aus dem Genotyp und den Umwelteinflüssen zusammen.

Was versteht man unter dominantem und rezessivem Erbgang? Die verschiedenen Gene, die eine Eigenschaft bestimmen, sind miteinander in einem Konkurrenzkampf, welches von Ihnen die Erscheinung des Kaninchens prägen darf. Dominante Gene setzen sich dabei immer durch und zwar unabhängig davon, welchen Partner sie haben (Merkmal AA oder Ab). Rezessive Gene schlummern im Verborgenen und kommen erst zum Vorschein, wenn kein dominantes Gen ihr Partner ist.

Vom Zellkern zu den Chromosomen, zu den Genen und Allelen. Quelle: Wikipedia

Das erste Mendelsche Gesetz

Die Weitergabe der Gene von einer Generation zur nächsten ist nicht willkürlich, sondern läuft nach ganz bestimmten Gesetzen. Mendel wählte einst für seine Kreuzungsexperimente die Gartenerbse. Doch was für die Pflanzen gilt, ist auch anwendbar bei den Tieren. Das erste Mendelsche Gesetz lässt sich an der Kreuzung zweier Tiere, nämlich des Kaninchens AA und des Kaninchens bb zeigen. Die beiden Merkmale der Eltern sind in diesem Beispiel homozygot (Merkmal AA und Merkmal bb). Dominante Gene werden in der Regel mit Grossbuchstaben, rezessive Gene mit Kleinbuchstaben bezeichnet.

Aus der Kreuzung homozygoter Elterntiere werden ausschliesslich Jungtiere mit dem Merkmal Ab geboren. Diese Nachkommen werden als Filialgeneration F1 bezeichnet. Alle diese Tiere sind mischerbig (heterozygot) bezüglich des Merkmals Ab. Die Jungtiere zeigen also ein einheitliches (uniformes) Erscheinungsbild.   

Beispiel: Paarung: Kaninchen AA x Kaninchen bb

 Kaninchen AA            X Kaninchen bb  
       
Kaninchen Ab Kaninchen Ab Kaninchen Ab Kaninchen Ab
       

In dieser Paarung setzt sich das Merkmals A gegenüber dem Merkmal b durch. Das Gen mit dem Merkmal A ist dominant und tritt gegenüber dem rezessiven Merkmal b in Erscheinung.

Die Nachkommen sind von ihrem Erscheinungsbild, dem Phänotyp, nicht von dem Elterntier AA zu unterscheiden. Sie sind jedoch in ihrer Genzusammensetzung (Genotyp) verschieden. Das Elterntier ist homozygot (Merkmal AA), währenddessen die Nachkommen der F1 heterozygot (Merkmal Ab) sind.   

Das zweite Mendelsche Gesetz

Führen wir unsere genetische Experiment noch einen Schritt weiter und paaren Tiere der F1 Generation. Die daraus entstehenden Nachkommen werden als zweite Filialgeneration F2 bezeichnet.

Beispiel: Paarung: Kaninchen Ab x Kaninchen Ab

 Kaninchen Ab            X Kaninchen Ab  
       
Kaninchen AA Kaninchen Ab Kaninchen Ab Kaninchen bb
       

Die Paarung zeigt, dass der Nachwuchs unterschiedliche Gene erhält, weil sich die Chromosomen bei der Paarung aufteilen und nur je eines der beiden zusammengehörigen Gene des Merkmals an die Jungtiere gegeben werden kann. Mendel kann nun zeigen, dass sich die Genpaare bei den Nachkommen gemischterbiger Eltern (Merkmal Ab) für ein beliebiges Merkmal im folgenden Verhältnis  zusammensetzen:

25 Prozent der Nachkommen sind AA
25 Prozent der Nachkommen sind bb
50 Prozent  der Nachkommen sind Ab also genau gleich wie die Eltern (der F2-Generation) mit Merkmal Ab.

Die Gene spalten sich also auf und der Nachwuchs fällt durch ein ganz unterschiedliches Erscheinungsbild auf. Drei Viertel oder 75 Prozent  alle Tiere werden vom dominanten Gen (Merkmal A) geprägt; aber aufgepasst nur 25 Prozent der Nachkommen sind am Genort mit dem Allel AA reinerbig.

Das dritte Mendelsche Gesetz

Die Unabhängigkeitsregel zeigt das Vererbungsverhalten von zwei Merkmalen bei der Paarung reinerbiger Individuen und der Nachkommen auf. Beide Merkmale werden unabhängig voneinander vererbt, wobei ab der F2-Generation neue reinerbige Kombinationen auftreten.

Beispiel: Paarung: Kaninchen SSbb x Kaninchen ssBB

Bei der F1-Generation sehen alle gleich aus.

 Kaninchen SSbb            X Kaninchen ssBB  
       
Kaninchen SsbB Kaninchen SsbB Kaninchen SsbB Kaninchen SsbB
       

F2-Generation

  SB Sb sB sb
SB SSBB SSBb SsBB SsBb
Sb SSbB SSbb SsbB Ssbb
sB sSBB sSBb ssBB ssBb
sb SsbB sSbb ssbB ssbb

Zwei Merkmale zeigen im Phänotyp der F2-Generation ein Verhältnis von 9:3:3:1  

Jeder Züchter sieht sofort, dass diese Jungtiere genetisch verschieden sind, und wenn es nur die Zeichnungen sind.

Nicht zu verwechseln mit Mutation!

Eine Mutation ist eine dauerhafte Veränderung des Erbgutes. So betrifft sie zunächst nur das Erbgut einer Zelle, wird aber von dieser an alle entstehenden Tochterzellen weitergegeben. Sie kann negative, positive oder auch gar keine Auswirkungen auf die Merkmale des Organismus (Phänotyp) haben. Es ist bekannt, dass Mutationen spontan durch äussere Einwirkungen wie etwa Strahlung oder andere erbgutverändernde Substanzen auftreten.

Zuchtwertschätzung

In der klassischen Vererbungslehre werden Individuen gepaart, um zu sehen, welche Gene wie weitergegeben werden. Bei der Zuchtwertschätzung eines Tieres will man wissen, welche Wirkung die Gene eines Tieres auf ein einzelnes Merkmal haben, wenn diese mit den Genen der anderen Tiere der Rasse kombiniert werden. Diese werden mit einem umfangreichen Model berechnet. Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass erkennbare Umwelteinflüsse (Standort des Tieres, Alter, Geschlecht etc.) ausgeschaltet werden können. Uebrigens für diese Beurteilung werden neben der Eigenleistung auch die Leistung der Elterntiere, Nachkommen und Geschwister mit einbezogen; allerdings bestimmt der Verwandtschaftsgrad, mit welcher Gewichtung die Informationen in die Zuchtwertschätzung eines Tieres einfliessen werden.

Vererbung machte die Menschen immer neugierig!

Bereits Wissenschaftler der Antike interessierten sich für Fragen der Vererbung. Etwa 500 vor Christus erklärte der griechische Philosoph Anaxagoras, dass der Embryo im männlichen Spermium bereits vorgeformt sei. Dass nur der Mann Erbanlagen besitze, behauptete auch Aristoteles etwa 100 Jahre später. Ähnliche Vorstellungen hielten sich noch bis in die Neuzeit hinein, da es an Instrumenten und Technik fehlte, um tiefer in die Forschung eintauchen zu können. Die Entwicklungen gingen über mehrere bahnbrechende Forschungsresultate weiter bis zum Projekt HUGO (Human Genom Project), deren Forscher es sogar gelungen war, das menschliche Erbgut vor wenigen Jahren komplett zu entschlüsseln.Quelle:Wiwo.de

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