Gemischtes Futter führt zu selektivem Fressen

Liegt in der Futterabwechslung wirklich ein Reiz? Vielfältig ganz nach dem Geschmack des Besitzers soll die Ernährung der Kaninchen sein. Dabei stellen viele ganz unterschiedliche Rationen (= Menus) für ihre Kaninchen zusammen; meist spielen dabei gemachte Erfahrungen von Züchterkollegen eine weit stärkere Rolle als Wissen aus vielen Lehrbüchern.
Nicht immer sind die daraus gezogenen „Weisheiten“ ganz richtig, aber wenn sich der Zuchterfolg trotzdem einstellt, wird sich dagegen wohl niemand auflehnen.

Im Tierfuttermarkt – insbesondere Heimtiermarkt – findet sich ein Sortiment, das ständig noch mehr ausgeweitet wird und viele Tierhalter werden durch übertriebene und aggressive Werbung zum Kauf bewegt. Tatsache ist aber: Meist sind die Tiere mit weniger zufrieden, als wir Tierhalter glauben anbieten zu müssen.

Bedarfsgerechte Versorgung bei möglichst langer Verweildauer des Futters (Beschäftigung)

Hauptziel der Fütterung ist die Versorgung mit allen Nährstoffen, um den Stoffwechsel aufrecht zu erhalten und die Fortpflanzung zu garantieren. Der Bedarf an allen Nährstoffen ist dabei in erster Linie auch abhängig von der Leistung und Grösse der Tiere.

Die Natur hat diesbezüglich vorgesorgt, indem alle Rohstoffkomponenten energie-, protein-, mineralstoff- oder vitaminreich sind; die einen haben mehr davon, die anderen weniger. Dabei sind in der Kaninchenfütterung im speziellen auch die Faserstrukturen der eingesetzten Futtermittel zu berücksichtigen. Stark zellulose- und ligninhaltige Ausgangssubstanzen sind aber nicht nur ein hervorragendes Beschäftigungsmaterial für Kaninchen, sondern bringen die für eine optimale Verdauung und robuste Gesundheit die idealen Voraussetzungen mit.  

Je mehr die Kaninchen sich mit der Futteraufnahme beschäftigen, desto weniger gelangweilt sitzen sie in einer Ecke. Nicht nur allein die Beschäftigung spielt für das Wohlbefinden der Tiere eine Rolle auch die Bewegung trägt dazu wesentlich bei. Doch diesen Anspruch können wir den Kaninchen nicht immer bieten, weshalb es umso wichtiger ist, die Tiere bei der Futteraufnahme möglichst lange aufzuhalten.     

Ein Versuch mit Zwerg-Kaninchen zeigt beispielsweise, in wieviel Minuten die gleiche Menge Futter gefressen wurde.

Heu (später Schnitt) 12.2 min
Heu (früher Schnitt) 4.72 min
Heubriketts 2.30 min
Gras 6.84 min
Mischfutter (Pelletiert) 1.40 min

Einerseits sind diese rohfaserhaltigen Raufutterkomponenten unentbehrliche Nährstofflieferanten und andererseits vertreiben sich die Tiere damit die Zeit beim Fressen und sind beschäftigt. Bei Heu mit viel Rohfasern verweilen sich die Tiere am längsten. Heu von späten Schnitten ist sehr rohfaserreich und nährstoffärmer als Dürrfutter von frühen Schnitten. Kaninchen sind mit ihrem Verdauungssystem darauf spezialisiert, dass sie rohfaserreiche Nährstoffkomponenten erfolgreich verwerten können. 

Von Bananen über Erbsen hin zu Karotten...
Die Inhaltsstoffe des Futters sind wichtig, doch die Zubereitung braucht viel Energie
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Naturbelassene Rohstoffkomponenten führen zum besten Futter

Die Zeit ist vorbei, als aus dem eigenen Garten oder aus der Küche Gemüse-Rüstabfälle in Hülle und Fülle den Kaninchen vorgesetzt wurden. Kaninchen waren vor mehr als 50 Jahren die Fleischlieferanten für viele Familien und es galt, die kostbaren Nährstoffe aus der Küche nicht vorweg zu kompostieren, sondern erst einmal den Kaninchen zu geben, um sich später an einem Sonntagsbraten freuen zu können.

Frisch verfüttert sind sie auch heute noch eine willkommene Abwechslung im Rationenplan der Kaninchenernährung. Gemüse ist auch heute noch aktuell, doch wird es heute meist über weite Strecken transportiert und so zubereitet, dass nur sehr wenig Rüstabfälle anfallen. Da war früher der Einsatz direkt von der Küche in den Stall weit ökologischer und erst noch kostengünstiger!

Mit modernster Technologie heute aufbereitet

Mit der Möglichkeit – Rohstoffkomponenten vor allem aus dem Getreideanbau im richtigen Verhältnis der Nährstoffe auszuwählen und in Pellets verpackt täglich den Tieren vorzulegen – ist die Fütterung heute bestimmt einfacher geworden. Optimierungsprogramme der Futtermittelindustrie legen fest, welche Rohstoffkomponente zu welchem Anteil eingesetzt wird, um die Zielvorgaben bezüglich der Nährstoffe wie Eiweisse, Vitamine, Mineralstoffe und Rohfaser zu erfüllen; selbstverständlich werden immer auch die Futterkosten in diese Berechnungen miteinbezogen.

Kombifutter im Angebot in verschiedenster Zusammensetzung

Wie auch immer die Futterarten (Pellets, Strukturfutter, Müesli und wie sie immer auch auf dem Markt genannt werden) angeboten und den Tieren vorgesetzt werden, nebst einer guten Schmackhaftigkeit, müssen sie längere Zeit lagerfähig sein. So müssen beispielsweise die Vitamine in der angegebenen Form und Gehaltshöhe auf der Etikette in der Nahrung vorhanden sein. Jede der folgenden Futterart weist für die Ernährung der Langohren Vorteile und Nachteile auf:

Der Einsatz dieser Futterart führt bei den Kaninchen zu einer ausdauernden Zerkleinerung der Körner; meist halten die Tiere dabei den Kopf hoch. In diesen Kombifuttern verpackt sind auch Pellets, die die Mineralstoffe und Vitamine enthalten. Optisch gesehen fallen alle verwendeten Rohstoffkomponenten sofort auf und wenn es nur die Wacholderbeeren sind. Vielfach setzen sich diese bei den Nährstoffen vollständigen Futter zusätzlich aus den Getreidearten Gerste, Weizen und Hafer sowie Maisflocken und Sonnenblumenkernen zusammen. Die wählerischen Kaninchen fressen bei ad libitum (= Futter ist immer verfügbar) jene Komponenten heraus, die sie am meisten schätzen. Doch aufgepasst, damit ist eine Fehlernährung vorprogrammiert. Bekanntlich ist der Nährstoffgehalt über das ganze Futter berechnet; fressen die Tiere nur die Pellets aus dem Futter, sind sie mit Vitaminen und Mineralstoffen mehr als überversorgt.

Futter immer zur Verfügung gestellt beinhaltet ein Risiko (Verschmutzungsgefahr).

Einige Tiere behelfen sich mit den Vorderpfoten und schaffen sich so Vorteile in der Futteraufnahme, indem gewisse Rohstoffkomponenten, die sie nicht mögen, kurzerhand aus dem Geschirr gescharrt werden. Futter in der Schublade und später im Mist nützen niemanden. Diesem Fehlverhalten kann vorgebeugt werden, indem bewusst eine restriktive Fütterung angestrebt wird. Es wird nur soviel Kombi-Futter gegeben, damit bis zur nächsten Futtergabe auch alles aufgefressen ist. 

Das pelletierte Alleinfutter

Die mit einem Durchmesser von wenigen (meist zwei bis drei) Millimeter grossen und nicht entmischbaren Pellets (oder Würfel) sind ideal für eine komplette Ernährung. Ein selektives Fressen wie beispielsweise beim Kombifutter ist hier nicht möglich; auch ist eine Fütterung im Aussengehege eher möglich, weil Vögel nicht auf diese Art von Futter abzielen. Pelletiertes Futter, das aber nass wird, quillt auf und ist nicht mehr geniessbar. Im Gegenteil es wird zur Falle für die Darmgesundheit der Kaninchen, weil sich darin schnell schädliche Organismen entwickeln.  

In der Werbung für Heimtiere werden immer wieder „Futtermischungen ohne Getreide“ angepriesen. Wer aber bei der Zusammensetzung der Futter auf der Etikette etwas genauer hinguckt, sieht, dass auch Kleie in der Mischung vorhanden ist. Kleie ist die äusserste Schicht des Getreidekorns, das bei der Zubereitung von Mehl für die menschliche Ernährung vor dem Mahlen entfernt werden muss.

Getreidearten haben es ohnehin in der Futtermittelherstellung für Kaninchen schwer in die Mischung aufgenommen zu werden, weil sie energiereich sowie rohfaser- und kalziumarm sind und deshalb in der Optimierung der Futtermühle kurzum nicht berücksichtigt werden; dies im Gegensatz zu Wiederkäuer- und Schweinefutter.

Ein Ergänzungsfutter aus Trockengemüse

Interessant sind auch die Gemüse- und Früchtemix, die mit Johannisbrot und Bananen – nebst vielen anderen Gemüsearten – zwei Komponenten enthalten, die sich vorzüglich auf die Verdauung der Tiere auswirken. Eines gilt es jedoch zu beachten, dass es sich bei solchen Angeboten um Ergänzungsfutter handelt, die nicht den Bedarf des Tieres bei alleiniger Verabreichung erfüllen.
Als „Dessert“ sind solche Futterangebote „aus dem Regal“ des Heimtiermarktes sehr zu begrüssen. Auch deswegen weil diese viele Bruchstücke des Johannisbrotes enthalten, die für die Verdauung bei den Jungtieren sehr geschätzt werden.

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  • Früchtemix: Heinz Schmid
  • Jungtiere verschmutzen sehr gern das Futter: Heinz Schmid
  • Futtergeschirr mit Kombi-Futter: Heinz Schmid

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