In keinem Jahresabschnitt wird soviel über das Fell gesprochen, wie jeweils im Herbst und Frühling. Das hat seine Gründe und gibt Anlass über das Fell bis hin zum Fellwechsel zu diskutieren.

Ein glänzendes Fell soll es sein, aber welche Schritte dorthin sind einzuschlagen?

Haaraufbau nach und nach

Sicher sind zu Beginn die Herkunft und der Aufbau des Fells anzuschauen. Thierry Gidenne von der INRA (= Nationales Institut für Agrarforschung ) in Toulouse kennt den Ablauf der Haarproduktion. Nach seiner Meinung sind die Haarfollikeln und epidermalen Einstülpungen, die in der tieferen Schicht der Dermis lokalisiert sind, entscheidend. So gibt es zwei Arten von Haarfollikel: Die Primärfollikel, die die Deckhaare bilden und die Sekundärfollikel, die das Unterhaar produzieren. Bei der Geburt stellen nur die zentralen Primärfollikel Haare her, die auf der Hautfläche nur schwer zu sehen sind. Die Sekundärfollikel übernehmen ihre Funktionalität nach der Geburt erst nach und nach.

Nach 5 oder 6 Tagen nach der Geburt sind Sekundärfollikel ausgebildet. Beim wachsenden Jungtier setzt sich die Vermehrung der Sekundärfollikel fort bis ungefähr 50 % sein erwachsenen Gewicht erreicht sind. Gibt es bei der Geburt 6 bis 10 Haarfollikel pro Follikelgruppe, so sind es bei erwachsenen Kaninchen 25 bis 50. Diese Sekundärfollikel sind eminent wichtig für Deckhaare und den Wärmeschutz.

Zum Schluss noch eine Besonderheit. So sind im Haarfollikel kleine Drüsen für die Produktion. Dieser Talg ist sehr fettreich und stabilisiert den Glanz und die Geschmeidigkeit des Haares.

Entwicklung des Fells über Stufen

Bei der Entwicklung der Kaninchen sind verschiedene Fellarten zu unterscheiden: Das Fell eines Neugeborenen, eines Jungtieres, eines pubertären und eines ausgewachsenen Kaninchens.

Die Phase eines Fells bei einem Neugeborenen endet bei einem Gewicht von 400 Gramm bei mittleren Rassen. Zu diesem Zeitpunkt wiegt dieser „Mantel“ zwischen 8 bis 10 Gramm.

Bei etwa 10 Wochen ist das typische Fell eines Jungtieres gegeben. Der Mantel ist noch hell und die Haare äusserst dünn. Wenn das Kaninchen beispielsweise im Alter von 9 Wochen 500 Gramm erreicht, dann beträgt das Gewicht des Fells lediglich 15 Gramm.

Das pubertäre Fell tritt nach weiteren 4 bis 5 Wochen auf. Im Alter von etwa 5 Monaten ist das Fell reif. Die Blüte des Fells ist nur kurz und ist ein entscheidender Moment für Schautiere.

Eine Verletzung des Fells heilt ab; das nachwachsende Haar ist sichtbar!

Vier bekannte Haarstrukturen

Das vorhandene Fellhaar der Kaninchen wird in verschiedene Typen eingeteilt.
Die Normalhaartypen haben eine gute Dichte beim Unterhaar, die abhängig ist von der Haaranzahl je Quadratzentimeter. Auch die Deckhaare sind von der Anzahl je Quadratzentimeter abhängig. Diese sind länger als die Unterhaare und am ganzen Körper vorhanden. Noch länger als das Deckhaar sind die Grannenhaare.
Geschmeidig fühlt sich ein Fell mit dichtem Unterhaar, gut entwickeltem Deckhaar und Grannenhaare an.

Zu den Haarstrukturtypen gehören die Satin. Zu den Kurzhaartypen zählen die Rexe und zum Abschluss noch zu den Langhaartypen mit den Angoras.

Wechsel des Fells verläuft unterschiedlich schnell

Im Normalfall wechseln die Kaninchen ihr Fell zwei Mal. Mit diesem Schritt soll jeweils ein bestehendes Fell Im Frühling und Herbst ersetzt werden.
Das Sommerhaar stossen die Kaninchen im Herbst definitiv ab und entwickeln ein prächtiges Winterfell. In Vollpracht sprechen die Fachleute von der Fellblüte, die allerdings nur von kurzer Dauer ist.

Oftmals ist der Fellwechsel gar nicht sichtbar. Es liegen zwar etwas vermehrt Haare im Stall, aber ein struppiges Fell macht sich nicht bemerkbar. Wäre diese der Fall, so sind Abklärungen betreffend Darmparasiten, vollwertige Ernährung und Haltung abzuklären.

Der Haarwechsel im Herbst und Frühling kann bei allen Kaninchen festgestellt werden. Selbst die Wildkaninchen durchlaufen diesen Prozess. Ist das alte Haarkleid erst einmal abgestossen, dann wachsen sofort neue Haar nach. Dies kann auf dem Körper unterschiedlich schnell erfolgen. Ist das Haarkleid überall in gleicher Qualität auf dem ganzen Körper vorhanden, so steht die Fellblüte an.

Das Fell ist das erste, sichtbare Merkmal, das dir Auskunft über den Gesundheitszustand deiner Kaninchen gibt. Wir zeigen dir beim Eintrag in den Newsletter, was du für die Gesundheit deiner Kaninchen machen musst!

Fellpflege mit Risiko

Steht ein Haarwechsel im Frühling oder Herbst an, so sind auch die TierhalterInnen gefordert. Sie müssen den Kaninchen mehr Aufmerksamkeit schenken, was die Pflege, die Sauberkeit und die Ernährung betrifft.

Ein gut aufgebautes Fell ist somit nur mit gesunden Tieren zu erreichen. Der allgemeinen Gesundheitsvorsorge ist ebenfalls volle Beachtung zu schenken. Kranke Kaninchen können keinen Farbglanz zeigen.

Unterstützen können die Züchter den Fellwechsel mit regelmässigem Bürsten. Dafür sind weiche Bürsten mit Naturborsten zu empfehlen. Fellbüschel lassen sich auch von Hand herausnehmen.

Die Kaninchen sind in der Zeit des Fellwechsels selbst auch aktiv und versuchen über das Lecken Haare zu entfernen. Aufgenommene Haare kann das Kaninchen nicht wieder herausgeben. Im Darm bilden sich deshalb Haarballen. Diese Haarballen sind gefährlich für das Leben eines Kaninchens. In einem solchen Fall ist es angezeigt, einen Tierarzt aufzusuchen.

Hitze beeinflusst das Fell

Wie schon erwähnt spielt die Sauberkeit im Stall und die Ernährung eine grosse Rolle für die Fellqualität. Noch zu vergessen sind auch die genetischen Einflüsse.

Die Hitze und der damit verbundene Hitzestress haben einen grossen Einfluss auf das Fell. Ein kürzlich durchgeführter Versuch zeigte dies auf:

Der im Journal of Animal Physiology und Animal Nutrition publizierte Versuch aus dem Jahre 2018 von Haitao ging dem Hitzestress bei den Kaninchen nach. Es galt, die Wirkung des Hitzestresses auf die Haarfollikelpopulation zu untersuchen. Zu diesem Zweck stellten die Forscher zwei Gruppen mit je 24 Rex-Kaninchen zufällig zusammen. Die eine Gruppe lebte in einer Umgebung von 32 +/- 2 Grad Celsius (Hitzestress). Die andere Gruppe hauste bei Normaltemperaturen (20+/-2 Grad Celsius.

Die Ergebnisse von oben zeigen, dass der Hitzestress einen negativen Einfluss auf die Gewichtszunahme, die Futterverwertung, die Kaninchenhaarlänge und die Haarfollikeldichte hat.

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